Heim von Konkretertyp - Waffenhandhabung
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In den Medien wird des Öfteren behauptet dass „Amokläufer“ am PC das Schießen und Töten trainiert hätten. Da ich selbst nie eine echte Waffe in den Händen gehabt habe, habe ich einen Spieler, der bei der Bundeswehr war, gebeten diesen Artikel zu schreiben.

Im folgenden Text möchte ich euch die Unterschiede zwischen realen und virtuellen Schießen aufzeigen. Ich unterteile diesen Bericht in drei Abschnitte.

1. Zielen
2. Kräfte die auf die Waffe einwirken
3. Benutzen der Waffe

1. Zielen - Zielvorrichtung

a) Fadenkreuz (Virtuell): In einem Ego-Shooter zielt man in 90 % der Fälle über ein so genanntes Fadenkreuz. 
Dieses Fadenkreuz gibt an wo die Kugel einschlagen wird. Um das Ziel zu treffen muss man das Fadenkreuz über das Ziel bewegen und die Maustaste drücken. Ein virtueller Schuss löst sich und, wenn man richtig gezielt hat, ist die Person getroffen. Im Endeffekt steuert sich ein Shooter also genauso wie die Moorhuhnjagd. Einziger Unterschied: In Shootern kann sich der Spieler nicht nur um seine eigene Achse drehen sondern sich auch bewegen. Diese Art von Zielen geht sehr schnell, auch aus dem (virtuellen) Laufen heraus und man kann selbst Personen aus größerer Entfernung gezielt bekämpfen. 
In der Realität verfügt man nicht über ein solches Fadenkreuz, wenn es so wäre wäre bei der Bundeswehr manches einfacher. Hier unterscheidet man zwischen 2 Zielarten. „Kimme und Korn“ und das „Zielvisier“.
   
b) Kimme und Korn: Kimme und Korn ist das auf der Welt am meisten verbreitete Zielsystem. So gut wie alle Schusswaffen, militärische und private, beruhen auf diesem System. Dabei befinden sich knapp vor der Schulterstütze oder dem Griff 2 Metallflächen zwischen denen sich eine Kuhle oder Ring bildet (Kimme) und vorne an der Mündung der Waffe befindet sich ein einzelner Metallhaken (Korn) der nach oben steht.
 
Virtuell: In Spielen wird durch einen rechten Mausklick die Waffe sofort ausgerichtet und die einzige Herausforderung besteht darin mit der Maus das Korn aufs Ziel zu bewegen.

Real: Um mit einer Waffe gezielt Schießen zu können, muss man sie auf Augenhöhe halten und Kimme und Korn auf eine Linie bringen, so das der Korn in der Lücke in der Kimme erscheint. Dann hat man die höchste Wahrscheinlichkeit auf einen Treffer, wobei der Schuss noch von vielen anderen Faktoren beeinflusst wird. Das wichtigste für einen gezielten Schuss ist vor allem Ruhe. Der Schütze muss einen festen Stand haben (dafür gibt es eine spezielle Technik) und die richtige Atemtechnik um auf einen Treffer hoffen zu können. Wenn man das alles berücksichtigt hat man eine 60 % Chance ein 15 m entferntes unbewegliches Ziel zu treffen. Je größer die Entfernung, desto ruhiger muss der Schütze sein. Auf größere Entfernung ist es nur mit einem Zielvisier möglich gezielt zu Schießen.
 
c) Zielvisier:  Das Zielvisier ist eine längliche Röhre die mit mehreren Linsen gefüllt ist, welche die Entfernung stark vergrößern, dafür aber auch nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Umgebung zeigen. Markenzeichen eines Zielvisiers ist es, das in einem der Linsen ein Fadenkreuz eingeritzt ist mit dem man bequemer Zielen kann als mit der Kimme und Korn Methode.
 
Virtuell: Auch hier beschränkt sich für den Spieler die Heraus- forderung darauf mit den rechten Mausklick die Waffe ausrichten zu lassen und nun das Fadenkreuz auf den Gegner zu bewegen.

Real: Es hat den Anschein als wäre das Zielen über ein Zielvisier effektiver als das Kimme-und-Korn System. Es stimmt das das Zielen vereinfacht wird, es ist aber auch so, dass ein Schuss mit einem Zielvisier sehr viel schwieriger ist als mit Kimme-und-Korn. Da man auf eine größere Entfernung schießt (100-800 Meter) wirkt sich jedes noch so kleine Zittern auf die Schussbahn aus. Um effektiv und gezielt Schießen zu können muss der Schütze vollkommene Ruhe haben. Er muss Liegen, das in einer speziellen Haltung, die richtige Atemtechnik haben und dazu seinen Körper komplett unter Kontrolle haben. Er muss geduldig sein und warten bis sein Körper ein Level erreicht hat um einen gezielten Schuss abzugeben. Dieser Zeitpunkt ist meist recht kurz und man muss ein 
geübter Schütze sein das man diesen Moment erkennt und auch nutzen kann. Ohne Übung kommt man hier nicht sehr weit. Also für einen Amoklauf ist eine Waffe mit Zielvisier denkbar ungeeignet, weil meistens das Ziel verschwindet bevor man soweit ist einen gezielten Schuss abzugeben und man selbst immer an der selben Position bleiben muss, weil jeder Positionswechsel gleichbedeutend mit einer neuen Wartezeit ist, da sich der Körper erst mal beruhigen muss. Gleichzeitig wird das Schussverhalten vom Haltepunkt bestimmt.
 
d) Reflexvisier: Hier soll jetzt noch eine Unterart des Zielvisiers genannt werden, das so genannte Reflexvisier. Dieses Visier besitzt keine Vergrößerungslinsen, sondern nur eine einzige und ist für geringe Entfernungen gedacht. Dabei wird ein batterieerzeugter roter Lichtstrahl, über die Linse direkt auf den Augapfel des Schützen geleitet. Das sorgt dafür wenn man mit der Waffe zielt und beide Augen offen hat, die Landschaft und einen kleinen roten Lichtpunkt sieht, der die Stelle markiert, an der das Geschoss vermutlich einschlagen wird. 
 

Dieses Bild basiert auf dem Bild Tasco PDP2 aus der freien
Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für
freie Dokumentation
. Der Urheber des Bildes ist Falcorian.
Virtuell: Auch hier muss der Spieler lediglich mit einem rechten Mausklick die Waffe ausrichten lassen und mit der Maus den Punkt aufs Ziel bewegen.

Real: Dieses Visier kommt dem Zielen in einem Ego-Shooter am nächsten, wird aber aus mehreren Gründen hier außen vor gelassen. Den 1. ist es bis jetzt nur bei Militärwaffen in Deutschland (Beim G36) im Einsatz und 2. bedarf es eine Menge Übung damit umzugehen. 
Das Auge ist so eingestellt das es einen Tunnelblick erzeugt, wodurch unwichtige Informationen ausgeblendet werden. Der Schütze muss also in der Lage sein sich gleichzeitig auf die Umgebung und auf den Lichtpunkt zu konzentrieren, sonst wird dieser ausgeblendet und man kann das Gewehr runter nehmen und warten bis das Auge den Punkt wieder darstellt.
 
Zusammenfassend kann man sagen, dass es bis hierhin zwei große Unterschiede gibt:

- Auch wenn sich ein Spiel die Mühe macht statt eines einfachen Fadenkreuzes (a) Kimme und Korn (b), Zielvisier (c) oder Reflexvisier (d) darzustellen hat dies nichts mit der Realität zu tun. Die Zielvorrichtung auf dem Bildschirm mag zwar der realen ähnlich sehen, aber deren Gebrauch wird in einem Spiel nicht simuliert. Dort beschränkt sich die Handhabung auf die der Maus.

- Der Zweite Aspekt, der in einem Spiel nicht ansatzweise geübt werden kann ist die Anforderung an den Schützen. Stand- und Atemtraining, grundlegende Voraussetzung für sicheres Schießen, kommen nicht vor. Der Spieler muss sich ausschließlich auf seinem Stuhl halten können.

 
2. Kräfte die auf die Waffe einwirken

Virtuell: Ich renne, springe und sprinte während ich schieße. Wenn ich ziele treffe ich auch, (meistens) keinerlei Einschränkung in meiner Bewegungsfreiheit. 

Realität: Ich habe vor der Bundeswehr sehr viele Ego-Shooter gespielt und war der Meinung das ich ein ganz passabler Schütze bin, bis ich das erste mal geschossen habe. Denn es gibt einige Faktoren welche das Schussverhalten sehr stark beeinflussen und nach dem ersten Schuss das weitere Schießen unmöglich machen. Die wichtigsten dabei wären:

a) Rückstoss
b) Haltepunkt
c) Gewicht


a) Rückstoss: Jeder hat es in unzähligen Actionfilmen gesehen, der Held zielt auf den Bösen, feuert sein Magazin im Dauerfeuer leer und tötet dabei gezielt 5-10 gegnerische Schützen. In einem Computerspiel ist es nicht anders. Man zielt und feuert. Im Laufen, im Springen und, mein Favorit, man schießt mit einer Hand. Und das alles im Dauerfeuer. In der Realität kann das böse enden. Fangen wir mit dem einfachsten Beispiel an: Das Feuern mit einer Hand. Der Held zielt auf den Gegner und entleert sein Magazin in ihn. Wenn er besonders cool ist hält der die Waffe schräg. Ein Schuss in dieser Form abgegeben endet zu 100 % mit einem Bruch des Handgelenks. Selbst das normale Schießen hat meistens dieselbe Auswirkung. Nur ein beidhändiges Schießen, in der richtigen Art und Weise, führt zum Erfolg. Auch das muss erlernt werden und wird einem in keinem Computerspiel gezeigt.
Auch bei zweihändigen Waffen mit Schulterstütze führt eine falsche Herangehensweise schnell zum bestenfalls blauen Fleck und schlimmstenfalls zum Schlüsselbeinbruch. Dazu kommt, dass der Rückstoß die Waffe verreißt bevor die Kugel den Lauf verlassen hat. Man muss das Gewehr richtig halten und den Rückstoß mit dem Körper kompensieren (Vorsicht Knochenbruchgefahr!). Und als wenn das nicht schon reichen würde, verzieht die Waffe bei jeden Schuss ein Stück nach oben. In einem Spiel wird bei Dauerfeuer das Fadenkreuz unschärfer. In der Realität stanzt man nach max. 5 Schuss Löcher in die Decke.
Gezieltes Schießen also nur aus dem Stand und wenn es geht im Einzelfeuer. Wer sich in einem Ego-Shooter so verhält, hat meistens nicht sehr lange Freude am Spiel.

b) Haltepunkt: Der Haltepunkt ist eine sehr lustige Sache. Es ist nämlich so das die meisten langläufigen Gewehre ein verzogenes Rohr haben. Dieses Verziehen ist minimal, fällt mit dem bloßen Auge nicht auf, sorgt aber dafür, dass die Kugel leicht abdriftet. Wer bei der Bundeswehr mit dem Zielfernrohr zielt, das Fadenkreuz perfekt auf den schwarzen Teil der Zielscheibe hat, schießt daneben. Man braucht mehrere Schuss (5 In der Grundausbildung) um ein Trefferbild zu erkennen inwieweit die Waffe verzieht und muss sich darauf einstellen. Ich z.B. musste immer gut 2 cm links neben dem Fadenkreuz zielen um zu treffen. Der Profi kann natürlich das Zielvisier neu einstellen aber wer ist schon ein ausgebildeter Waffenbauer? Und das lustige ist das selbst das Fallenlassen der Waffe für einen neuen Haltepunkt sorgt und man sich wieder neu einschießen darf. Da soll noch mal jemand sagen Schießen einfach sei.

c) Gewicht: So eine Waffe ist verdammt schwer. Sie wiegt 5-6 Kilo und damit längere Zeit zu Zielen ist unmöglich. Wer das nicht glaubt, nehme irgendetwas das 5 Kilo schwer ist und hebe es mit ausgestrecktem Arm hoch und bleibe so OHNE dass die Arme anfangen zu zittern. Das hält keiner allzu lange durch, das kann ich euch sagen. Und sobald die Arme anfangen zu zittern, zittert die Waffe und die Chance auf gezieltes Schießen ist vorbei. Also die ganze Zeit mit Waffe im Anschlag rumlaufen ist nicht möglich. Wobei das Rumlaufen selbst schon den gezielten Schuss verhindert. Wer läuft, dem rast der Puls, sein Körper zittert leicht und er ist vielleicht außer Atem. Jede kleinste Unregelmäßigkeit verhindert einen sauberen Schuss. Wie heißt es so schön, nur in der Ruhe liegt die Kraft. Ein Kampf wie in einem PC-Spiel ist in der Realität nicht möglich.
- Dort rennt der Spieler die ganze Zeit Meilenweit durch die Gegend, hat ununterbrochen seine Waffe im Anschlag und noch min. 2 andere dabei… und kann trotzdem entspannt Zielen und Treffen. Von dem Gewicht und dem Verhalten der Waffe bekommt er nichts mit. Und kann seinen Körper somit auch nicht auf deren Auswirkungen einstellen. Der Umgang mit Waffen kann am Bildschirm also nicht geübt werden.
 
3. Benutzen der Waffe

Eine Waffe ist ein hochempfindsames Instrument das man pflegen muss. Wenn man eine Waffe einmal quer über eine Sandgrube zieht kann man ne ganze Weile damit verbringen sie zu Putzen und zu Ölen bevor sie wieder einen Schuss von sich gibt.
Das gleiche gilt für Wasser. Einmal eintauchen, dann kann man erst mal das Magazin wegschmeißen, da die Patronen feucht geworden sind, das Gewehr zerlegen, abtrocknen, mit Rostschutzmittel einschmieren, ein paar Tage liegen lassen bis es vollkommen trocken ist und dann vermutlich doch wegschmeißen wegen Rost. Doch um die Waffe pflegen zu können muss man wissen wie man sie zerlegt und zusammensetzt. Je nach Waffe unterschiedlich. Auch das Nachladen will geübt werden damit es klappt und man keine Ladehemmung bekommt. Ganz zu schweigen davon, dass man wissen muss wie man die Patronen in das Magazin einsetzt.
- Im Spiel hebt man eine Waffe per Knopfdruck auf, die Munition die ich habe wird automatisch auf beliebig viele volle Magazine verteilt. Ich renn mit der Waffe, krieche mit ihr durch den Staub, feuere was das Zeug hält und geh danach mit der Waffe schwimmen. Sie ist immer tadellos und einsatzbereit. Nachladen tue ich per Knopfdruck und es geht blitzschnell. In einem Spiel wird somit nicht ein mal die Gebrauchsmöglichkeit von Waffen realistisch dargestellt.
 
Fazit:
 
Ein Ego-Shooter, egal für wie realistisch er sich ausgibt, ist nicht mal ansatzweise realitätsnah. Das Verhalten einer Waffe könnte man in einem Spiel simulieren, deren Benutzung aber nicht. Somit kann man in einem Computerspiel weder einen Amoklauf noch das Verhalten an der Waffe trainieren. All diese Erfahrungen kommen aus der Realität, vom Schießstand, dem Waffenschrank des Vaters, von der Bundeswehr.
Hier sollte man danach fragen wo der Junge die Waffen her hat und wie er lernte damit umzugehen, anstatt es auf Computerspiele zu schieben, die nicht einmal ansatzweise dazu in der Lage sind ein solches Wissen zu vermitteln.

Denn durch das Spielen von Videospielen lernt man real nur den Umgang mit der Maus, und nicht den mit einer Waffe.

Thomas Dettmann

 


Quelle: http://stigma-videospiele.de/7a3.htm




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